Der Ausbau der ganztägigen Schulformen für Volksschulkinder in Österreich läuft auf Hochtouren. Mit dem Fokus auf verschränkte Abfolgen von Unterricht, Lern- und Freizeit sowie dem flächendeckenden Roll-out der Initiative „Tägliche Bewegungseinheit“ (TBE) verändert sich die Schullandschaft nachhaltig. Diese Entwicklung stellt Schulen und Horte vor die Herausforderung, hochwertige Programme für den Nachmittag zu entwickeln, um die längere Betreuungszeit sinnvoll und gesundheitsfördernd zu gestalten.

Sport als unverzichtbarer Bestandteil der Ganztagsbetreuung
Mit der verlängerten Anwesenheit der Kinder in den Bildungseinrichtungen erhält die Förderung von Sport und Bewegung eine noch zentralere Rolle. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt für Kinder von 5 bis 17 Jahren mindestens 60 Minuten intensive Bewegung pro Tag. Diese Empfehlung lässt sich durch ein bewegungsorientiertes Nachmittagsangebot optimal im Alltag verankern.
Die Integration von Sport und Bewegung in den Ganztag trägt entscheidend dazu bei, die ganzheitliche Entwicklung von Kindern zu fördern:
- Förderung der körperlichen Gesundheit: Regelmäßige Bewegung stärkt das Immunsystem, verbessert die Motorik und beugt Übergewicht vor. Im Volksschulalter wird der Grundstein für lebensfreudige, gesunde Lebensgewohnheiten gelegt.
- Entwicklung sozialer Kompetenzen: Sportliche Aktivitäten im Team fördern Fairness, Zusammenhalt und das Erlernen sozialer Regeln. Kinder lernen spielerisch, Konflikte zu lösen und Rücksicht zu nehmen.
- Stärkung der kognitiven Fähigkeiten: Bewegung fördert nachweislich die Konzentration und die geistige Ausdauer, was den Lernerfolg in den Lernzeiten der Nachmittagsbetreuung maßgeblich unterstützt.
- Ausgleich zum Schulalltag: Nach langen Phasen des Sitzens bietet der Sport den idealen Ausgleich, um überschüssige Energie abzubauen und Stress zu reduzieren.
Ausstattung der Bewegungsangebote im Ganztag
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist eine adäquate, kindgerechte und nachhaltige Infrastruktur. Ganztagsschulen benötigen ausreichend Bewegungs-, Spiel- und Sportbereiche. Im Rahmen der staatlichen Ausbauförderungen für ganztägige Schulformen sind Investitionen in die qualitative Verbesserung der Betreuungsumgebung vorgesehen. Dazu gehören neben Freiflächen und Turnsälen auch modernes Mobiliar sowie Spiel- und Sportgeräte, die für die Umsetzung eines zeitgemäßen, bewegten Ganztagskonzepts unerlässlich sind.

Sportvereine als wichtige Partner im Ganztag
Die großen österreichischen Sportdachverbände – SPORTUNION, ASKÖ und ASVÖ – betonen, dass Sportvereine eine Schlüsselrolle in der erweiterten Ganztagsbetreuung einnehmen müssen. Schulen und Vereine sollten diese Chance nutzen, um gemeinsam eine lebendige Partnerschaft zu formen. Durch professionelle Bewegungsprogramme schaffen Vereine vielfältige Lerngelegenheiten, vermitteln Freude an verschiedenen Sportarten und unterstützen die soziale Mitverantwortung sowie die Demokratiebildung der Kinder.
Für eine erfolgreiche Integration im Schulsport braucht es jedoch eine gleichberechtigte Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen den Bildungsdirektionen, Schulen und dem organisierten Sport. Vereine müssen strukturell und finanziell abgesichert werden, um die Qualität ihrer Angebote langfristig zu garantieren. Das verlangt nach unbürokratischen Rahmenvereinbarungen, die administrative Hürden abbauen.
Fachkräftequalifizierung für einen bewegten Ganztag
Ein bewegungsfreundlicher Ganztag steht und fällt mit qualifiziertem Personal. Neben den Freizeitpädagogen kommen hier vor allem die zertifizierten Bewegungscoaches der Sportverbände zum Einsatz. Um die Qualität zu sichern, ist eine auskömmliche und faire Finanzierung dieser Fachkräfte notwendig. Wer im Auftrag eines Vereins an Ganztagsschulen tätig ist, benötigt stabile Rahmenbedingungen und eine faire Vergütung. Nur durch attraktive Anreize für Trainerinnen und Trainer kann die Qualität der täglichen Bewegungseinheiten dauerhaft gesichert werden.