Puls spielerisch verstehen im Sportunterricht

Kübler Sport Redaktion |

Lesedauer: 5 Minuten

Bei Bewegung steigt die Pulsfrequenz, während sie in einer Pause meist wieder sinkt. Im Sportunterricht lassen sich diese Veränderungen spielerisch entdecken. Einfache Bewegungsaufgaben und eine angeleitete Pulsmessung vermitteln grundlegende Zusammenhänge zwischen Bewegung, Herz und Kreislauf. Auch Kinder, die ihren Pulsschlag bislang kaum wahrgenommen haben, können dadurch körperliche Anstrengung bewusster einschätzen.

Das Wichtigste zur Pulsmessung in Kürze:

  • Puls spielerisch entdecken: Bewegungsspiele zeigen, wie sich der Pulsschlag bei Anstrengung und Erholung verändert.
  • Einfach messen: Den Puls am Handgelenk ertasten, 15 Sekunden lang zählen und die Anzahl mit vier multiplizieren.
  • Veränderungen beobachten: Messungen vor dem Spiel, direkt danach und während der Pause machen Unterschiede sichtbar.
  • Pausen einplanen: Erholung und ein passendes Bewegungstempo helfen, Überforderung zu vermeiden.
  • Körpergefühl stärken: Puls, Atmung und Anstrengungsgefühl werden gemeinsam besprochen.
  • Keine Leistungsbewertung: Ein einzelner Pulswert zeigt nicht, wie fit ein Kind ist. Die eigenen Beobachtungen stehen im Mittelpunkt.
Kinder führen gemeinsam mit einer Sportlehrerin Lauf- und Sprungbewegungen in einer Turnhalle aus.
Kinder führen gemeinsam mit einer Sportlehrerin Lauf- und Sprungbewegungen in einer Turnhalle aus | Drazen – stock.adobe.com

Pulsmessung in der Schule

Bei der Handmessung wird der Puls mit den Fingern am Handgelenk erfühlt. Dafür sitzt die Klasse zunächst einige Minuten ruhig. So bleibt ausreichend Zeit, die richtige Stelle zu finden und sich auf das regelmäßige Klopfen zu konzentrieren.

  1. Den Arm entspannt ablegen: Der Unterarm liegt beispielsweise auf dem Oberschenkel. Die Handfläche zeigt nach oben, die Hand bleibt locker.
  2. Die Messstelle finden: Zeige- und Mittelfinger der anderen Hand werden auf die Innenseite des Handgelenks gelegt – auf der Daumenseite knapp unterhalb des Handgelenks. Dort lässt sich der Puls meist gut ertasten. Der Daumen sollte dafür nicht verwendet werden, da in ihm der eigene Puls spürbar sein kann.
  3. Den Puls erfühlen: Die Fingerspitzen drücken leicht auf die Haut. Ist noch kein Klopfen spürbar, werden sie vorsichtig etwas verschoben. Zu starker Druck kann das Erfühlen des Pulses erschweren.
  4. Die Schläge zählen: Sobald der Puls gefunden ist, gibt die Lehrkraft ein gemeinsames Startsignal. Jeder fühlbare Pulsschlag wird einmal gezählt. Nach 15 Sekunden folgt das Stoppsignal der Stoppuhr.
  5. Die Pulsfrequenz berechnen: Die gezählte Anzahl wird mit vier multipliziert. Eine Minute besteht aus vier Abschnitten mit jeweils 15 Sekunden. Das Ergebnis gibt näherungsweise an, wie viele Herzschläge pro Minute auftreten.

Rechenbeispiel: Werden in 15 Sekunden 20 Pulsschläge gezählt, ergibt die Rechnung 20 × 4 = 80 Schläge pro Minute.

Der Daumen wird nicht zum Messen verwendet, weil sein eigener spürbarer Puls das Zählen verwirren kann. Bei jüngeren Kindern steht zunächst das Finden und Erfühlen im Vordergrund. Erst wenn das gut gelingt, kommt das Zählen hinzu.

Gemeinsame Signale und gleiche Zählzeiten erleichtern die Durchführung. Kleine Zählfehler sind beim Üben normal. Entscheidend ist zunächst, dass die Kinder ihren Puls wahrnehmen und später Unterschiede zwischen Ruhe, Bewegung und Erholung erkennen.

Ruhepuls, Belastungspuls und Erholungspuls

Die sogenannten Pulsarten beschreiben unterschiedliche Messsituationen.

PulsartBedeutungMesszeitpunkt
RuhepulsPuls bei vollständiger körperlicher RuheMöglichst morgens nach dem Aufwachen und vor dem Aufstehen
BelastungspulsPuls während körperlicher AnstrengungBei der Handmessung unmittelbar nach dem Anhalten
ErholungspulsPuls während der Erholung nach BewegungBeispielsweise nach einer und drei Minuten Pause

Im Sportunterricht wird der Puls zunächst nach einigen Minuten ruhigem Sitzen gemessen. Dieser erste Wert dient zum Vergleich mit den späteren Messungen. Er kann etwas höher sein als der Ruhepuls morgens nach dem Aufwachen, weil die Kinder vorher bereits unterwegs oder aufgeregt waren.

Direkt nach einem Bewegungsspiel wird erneut gemessen. Dieser Wert zeigt ungefähr, wie schnell das Herz bei der Bewegung geschlagen hat. Die Messung sollte möglichst bald nach dem Anhalten beginnen, da der Puls in der Pause wieder langsamer wird.

Weitere Messungen nach einer und drei Minuten zeigen, wie sich der Körper erholt. Diese Werte werden als Erholungspuls bezeichnet.

Spielerische Praxis-Ideen für den Sportunterricht

Pulsdetektive: Bewegungsformen vergleichen

Nach einer ruhigen Sitzphase wird der Ausgangspuls gemessen. Anschließend geht die Klasse eine Minute durch die Halle und misst erneut. Nach einer Pause folgt eine Minute lockeres Laufen mit anschließender Pulsmessung.

Vor jeder Aufgabe werden Vermutungen zur Veränderung der Pulsfrequenz gesammelt. Anschließend werden die Beobachtungen mit den Vermutungen verglichen.

Lernziel: Die unterschiedlichen Reaktionen von Herz und Kreislauf auf Bewegung werden sichtbar. Gleichzeitig wird das Ertasten des Pulsschlags geübt.

Farbenreise: Spielerisches Ausdauertraining

Farbige Hütchen markieren verschiedene Punkte in der Halle. Die Lehrkraft nennt jeweils eine Farbe und eine Bewegungsform, beispielsweise zügiges Gehen oder lockeres Laufen. Die Kinder bewegen sich im eigenen Tempo. Ausscheiden und Zeitwertung entfallen.

Nach einigen Minuten wird der Belastungspuls ermittelt. In der anschließenden Pause folgt die Messung des Erholungspulses.

Lernziel: Die Belastung beim Ausdauertraining ist durch Tempo und Gehphasen beeinflussbar. Dadurch wird eine einfache Form der Belastungsdosierung erfahrbar.

Erholungsforscher: Veränderungen in der Pause beobachten

Nach einem Bewegungsspiel wird der Belastungspuls direkt nach dem Anhalten gemessen. Anschließend sitzt die Klasse ruhig. Nach einer und drei Minuten wird jeweils der Erholungspuls erfasst.

Die Auswertung zeigt, ob die Pulsfrequenz niedriger wird und wie sich gleichzeitig die Atmung verändert.

Lernziel: Die Kinder beobachten, wie die Erholung nach einer Belastung verläuft. Im Mittelpunkt steht die eigene Veränderung.

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Bewegung erleben und gemeinsam verstehen

Nach den Spielen wird gemeinsam besprochen, was die Kinder bemerkt haben: Wie hat sich der Pulsschlag verändert? Wie war die Atmung? Und was ist während der Pause passiert? Die eigenen Beobachtungen helfen, die Reaktionen des Körpers zu verstehen.

BeobachtungEinfache ErklärungErkenntnis für die Kinder
Nach dem Laufen schlägt das Herz schneller.Die Muskeln brauchen bei Bewegung mehr Sauerstoff. Deshalb schlägt das Herz schneller.Ein schnellerer Puls gehört zur körperlichen Anstrengung dazu.
In der Pause werden Puls und Atmung ruhiger.Die Muskeln müssen weniger arbeiten und der Körper erholt sich.Pausen sind wichtig, damit die Anstrengung nachlässt und wieder Kraft für Bewegung entsteht.
Beim langsameren Laufen fällt das Atmen leichter.Das geringere Tempo ist weniger anstrengend.Langsameres Laufen oder Gehen kann die Belastung verringern.
Die Kinder messen unterschiedliche Pulswerte.Jeder Körper reagiert etwas anders. Auch das Tempo und kleine Zählfehler spielen eine Rolle.Ein niedrigerer Puls bedeutet nicht automatisch eine bessere Leistung.

Die Kinder lernen, dass Bewegung und Erholung zusammengehören. Pausen sind ein wichtiger Teil des Sportunterrichts. Sie geben dem Körper Zeit, sich von der Anstrengung zu erholen. Puls, Atmung und Körpergefühl helfen dabei, die eigene Belastung wahrzunehmen und zu erkennen, wann langsameres Bewegen oder eine Pause nötig ist.

Arbeitsblatt zur Pulsmessung

MesszeitpunktSchläge in 15 SekundenPulsfrequenz: Wert × 4Anstrengungsgefühl
Ausgangspuls nach ruhigem Sitzen
Belastungspuls direkt nach dem Spiel
Erholungspuls nach einer Minute
Erholungspuls nach drei Minuten

Beim Anstrengungsgefühl genügen Angaben wie leicht, mittel oder anstrengend. Für jüngere Kinder eignen sich ergänzende Symbole. Einheitliche Messabläufe unterstützen aussagekräftige Beobachtungen.

Pulswerte verstehen und Überforderung vermeiden

Ein einzelner Pulswert zeigt nicht, wie fit ein Kind ist. Auch Aufregung, Alter und die Tagesform beeinflussen, wie schnell das Herz schlägt. Ein niedrigerer Puls bedeutet deshalb nicht automatisch eine bessere Ausdauer.

Die Pulsmessung dient im Sportunterricht dazu, den eigenen Körper kennenzulernen. Die Werte werden nicht benotet oder als Wettbewerb verglichen. Entscheidend ist, wie sich Puls, Atmung und Anstrengungsgefühl bei Bewegung und in der Pause verändern.

Damit die Belastung zu den Kindern passt, sind unterschiedliche Lauftempi, Gehphasen und regelmäßige Pausen wichtig. Nicht jedes Kind kann gleich lange oder gleich schnell laufen. Pausen geben dem Körper Zeit, sich zu erholen, und helfen, Überforderung zu vermeiden.

Ein schneller Herzschlag nach dem Rennen ist zunächst normal. Hält ungewöhnliches Herzrasen an oder kommen Beschwerden wie Schwindel hinzu, wird die Bewegung beendet und Hilfe geholt. Ein wiederholt auffällig unregelmäßiger Puls sollte ärztlich untersucht werden. Die Pulsmessung im Unterricht ersetzt keine medizinische Untersuchung.

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